In der Berufsschule muss nicht jeder alles können

27.07.2022

79 Staatspreise in der Staatlichen Berufsschule II Traunstein für Notendurchschnitt 1,5 und besser

Traunstein – Bei einer würdevoll gestalteten Abschlussfeier in der Schulturnhalle wurden 412 Schülern aus 28 Klassen in 13 Ausbildungsberufen der Staatlichen Berufsschule II Traunstein nach erfolgreich bestandenem Schulabschluss die Zeugnisse überreicht. Schulleiter Andreas Gembala und der stellvertretenden Landrat Sepp Konhäuser zeichneten 79 Schüler mit einem Notendurchschnitt von 1,5 und besser mit einem Staatspreis aus, von denen wiederum 23 Absolventen einen Notendurchschnitt von 1,0 im Abschlusszeugnis erreicht haben. 15 Absolventen erwarben sich durch den erfolgreichen Besuch der Berufsintegrationsklasse den Mittelschulabschluss.

Vor ihm säße eine Generation von Absolventen, die in keine leichte Zeit entlassen werde, meinte Gembala eingangs. Vielmehr müssten sie eine große Verantwortung auf ihren Schultern tragen, wie zum Beispiel die Verantwortung für Frieden, Freiheit und Demokratie. Um ihnen diese Verantwortung noch einmal bewusst vor Augen zu führen und um mit ihnen an die Menschen zu denken, die zurzeit nicht in Frieden, Freiheit und Demokratie leben können, trug der Oberstudiendirektor einen Auszug aus einem Gedicht von Hanns Dieter Hüsch vor, bei dem es darum ging, den Hass aus der Welt zu entfernen, weil Macht, Gewalt, Rache und Sieg nichts anderes bedeute als ewiger Krieg.

Zum Schulbetrieb sagte er, es habe einmal eine Zeit gegeben, da die Tiere eine Schule hatten. Der Lehrplan bestand aus Rennen, Klettern, Fliegen Fische fangen und Schwimmen. Die Ente zum Beispiel war gut im Schwimmen, im Fliegen war sie eher durchschnittlich und im Rennen ein besonders hoffnungsloser Fall. Sie musste den Schwimmunterricht ausfallen lassen und nachsitzen, um das Rennen zu üben. Dies tat sie so lange, bis sie auch im Schwimmen nur noch durchschnittlich war. Bei der Schlussabschlussfeier hielt ein Aal, der gut schwimmen, etwas rennen, klettern, fliegen und Fische fangen konnte, als Schulbester die Schlussansprache. „Das kommt dabei heraus, wenn alle alles können sollen“, erklärte Gembala. In der Berufsschule müsse nicht jeder alles können. In diesem Punkt seien die Menschen den Tieren in der Schule voraus. Jeder habe spezielle Begabungen, habe etwas, das er besonders gut könne. Und deshalb hätten sie sich für ihren Beruf entschieden. Aber auch in ihrer Spezialisierung habe es vielfältige Anforderungen gegeben, die sie zu bewältigen hatten. Sie hätten angefangen, ganz unterschiedliche Perspektiven auf eine Sache zu reflektieren, und sich auf den Weg gemacht, selbstständig damit umzugehen. Denn Bildung sei im besten Sinne Selbstbildung eines Menschen mit dem Ziel, mündig, kritisch und eigenständig mit einer Sache umzugehen, um die Welt bewältigen zu können. „Hoffentlich haben Sie entdeckt, was Sie gut können. Möglicherweise haben Sie aber auch realisiert, was Sie nicht so gut können“, sagte der Schulleiter. „Trauen Sie ihrem Berufsabschluss etwas zu.“

Ziel der pädagogischen Wirkens der Berufsschule im Rahmen ihrer Ausbildung sei es gewesen, sie zu zu qualifizieren, zu selbstständigem Denken und Handeln zu befähigen und zur Verantwortung für sich, für eine humane Gesellschaft und für unsere Umwelt zu erziehen. Dafür hätten eine Menge Menschen zusammengeholfen: Eltern, Verwandte und Freude, Lehrer und Betriebe mit ihren Ausbildern. Die Absolventen würden daher in eine Zukunft voller Perspektiven entlassen.

Mit der bestandenen Abschussprüfung hätten sie den ersten Schrift für ihren beruflichen Werdegang und einen weiteren großen Schritt in ihre persönliche Zukunft erreicht, sagte der stellvertretende Landrat Konhäuser. Angefangen habe es, dass man sich nach der Schule an den Arbeitsplatz mit neuen Kollegen und Hierarchien gewöhnen musste, bis hin zum Meistern der Abschlussprüfungen. „Natürlich wird es auch in Zukunft immer wieder Probleme geben, aber das gehört zum Beruf wie auch zum Leben dazu“, stellte er fest. Ihr Prüfungserfolg zeige jedoch, dass sie auch die Widrigkeiten des Alltags gut schaffen könnten. Damit in rechter Weise umzugehen, sei ein wichtiger Lernprozess auf dem Weg des Erwachsenwerdens.

Foto: Der stellvertretende Landrat Sepp Konhäuser (links) und Schulleiter Andreas Gembala (rechts) zeichneten 23 Absolventen der Staatlichen Berufsschule II mit einem Staatspreis aus, die im Schulabschluss einen Notendurchschnitt von 1,0 hatten. (Foto: Buthke)
Foto: Der stellvertretende Landrat Sepp Konhäuser (links) und Schulleiter Andreas Gembala (rechts) zeichneten 23 Absolventen der Staatlichen Berufsschule II mit einem Staatspreis aus, die im Schulabschluss einen Notendurchschnitt von 1,0 hatten. (Foto: Buthke)
 

Unsere Region brauche nicht nur Abiturienten oder Studenten, sondern auch Praktiker. Die Berufsschule II biete dafür eine hervorragende Ausbildung. Gerade die berufliche Bildung sei für den Landkreis Traunstein eine Herzensangelegenheit. „Wir sind überzeugt, es gibt keine bessere Zukunftsvorsorge als die Investition in die Köpfe unserer Auszubildenden“, betonte Konhäuser. Deshalb sei es Ziel des Landkreises, auch in Zukunft beste Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Auszubildende solche Spitzenleistungen erzielen könne, wie sie es getan hätten. Die rund 250 Millionen Euro an Investitionen in den kommenden Jahren in seine Schulen seien dafür ein klares Bekenntnis des Landkreises. „Mit diesen Rekordsummen und dem Campus Chiemgau machen wir unsere Heimat zur Leuchtturmregion für berufliche Bildung“, so der stellvertretende Landrat.

„Arbeite und lerne, und du kannst gar nicht verhindern, dass du etwas wirst“, zitierte die Zweite Bürgermeisterin der Großen Kreisstadt Traunstein, Burgi Mörtl-Körner, den schottischen Essayist und Historiker Thomas Carlyle. Sie hätten ihre Ausbildung erfolgreich gemeistert und dabei nicht nur fleißig die Schulbank gedrückt oder online gearbeitet, sondern auch an ihrer Ausbildungsstätte ihr Wissen erfolgreich angewandt und vertieft. Sie hätten die Abschlussprüfungen geschafft und bewiesen, dass sie die Fähigkeiten mitbringen, um künftig im Berufsleben zu bestehen.

Mit dem Abschluss der Berufsschulzeit hätten sie das Fundament für ihre weitere berufliche Zukunft gelegt. Ein selbstständiges und unabhängiges Leben sei ihnen jetzt möglich. An Ende ihre Grußworts zitierte sie den englischen Philosoph Herbert Spencer mit den Worten „Der eigentliche Zweck des Lernens ist nicht das Wissen, sondern das Handeln.“ Wissen hätten sie sich in der Berufsschule und den Ausbildungsbetrieben aneignen können. Nun liege es an ihnen, was sie daraus machten. „Ich wünsche Ihnen, dass Sie Ihr Wissen in Ihrer Arbeit einbringen und erweitern können. Setzen Sie sich ein. Bewegen sie etwas. Es lohnt sich“, so Mörtl-Körner.

Den Dank der Schüler an die Berufsschullehrer brachten die Schülersprecherinnen Vanessa Duscher und Anna Jehl zum Ausdruck. Bjr

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